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Einleitung

Österreichisch-Schlesien, das Land der Ahnen, ist der nach den Schlesischen Kriegen zwischen Österreich und Preußen  bei Österreich verbliebene südliche Teil Schlesiens mit einer langen Geschichte, die in eine Zeit zurückreicht, in der an eine Entdeckung Amerikas noch nicht zu denken war. Bereits in der Bronzezeit (1300 bis 500 v.Chr.) gehörte Schlesien zur Lausitzer Kultur. In den letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende fand eine germanische Besiedlung statt, mit der Völkerwanderung um 550–600 n. Chr. eine Besiedlung durch westslawische Stämme.
Die germanische Besiedlung Schlesiens erfolgte dabei durch das aus dem Norden einwandernde Volk der Vandalen. Deren Hauptstämme waren die Hasdinger, Lygier (Lugier) und Silinger, wobei diese dem Landstrich Schlesien  ihren Namen gaben. Archäologische Funde bezeugen, dass in vorgermanischer Zeit auch Kelten in dieser Gegend beheimatet waren. Es existieren keltische und germanische Fundstücke, aber spätere Fundorte belegen auch, dass Kulturstile beider Völker miteinander verschmolzen. Die Vandalen zogen im Zuge der Völkerwanderung zum Großteil in Richtung Süden ab, wobei viele Sippen in Schlesien verblieben. Die nachrückenden Slawen lebten zunächst neben den verbliebenen Vandalen. Auch hier bezeugen archäologische Fundstellen, dass beide Völker miteinander verschmolzen sind. Orte größerer kriegerischer Auseinandersetzungen sind nicht bekannt.
Im Jahre 1174 wurde den deutschen Siedlern durch ein Dekret der Schutz durch den böhmischen Herzog Sobieslaw II. bestätigt:

"Ich Sobieslaw, Herzog von Böhmen, mache allen Gegenwärtigen und Kommenden kund, daß sich die Deutschen, so unter der Burg von Prag siedeln, in meine Gunst und unter meinem Schutz nehme und ich will, daß diese Deutschen eine besondere, von den Böhmen unterschiedene Nation bleiben sollen, wie sie sich auch in ihren Gesetzen und Bräuchen von diesen Unterscheiden.
Ich ermächtige diese Deutschen, entsprechend den Gesetzen und der Rechtsordnung der Deutschen zu leben, wie sie dessen sich schon seit den Zeiten meines Großvaters, des Königs Wratislaw (+ 1092), erfreuten“.

Seit jenem Dekret sind in den Jahrhunderten bewegte Zeiten über das Land hinweggegangen,  der dreißigjährige Krieg, die Hussittenkriege, die schlesischen Kriege mit dem hohen Anspruch Friedrichs der Großen, sich den größten Teil Schlesiens einzuverleiben und damit Preußens Gloria zu mehren, die beiden Weltkriege und schließlich die Vertreibung von 3,5 Millionen Sudetendeutschen  mit über 280.000 Toten auf der Grundlage von Dekreten, die inzwischen zu „Pyramiden  der tschechischen Rechtsordnung“ hochstilisiert wurden.

Wer kennt heute noch Sudeten-Schlesien ?

Gemeint ist hier der ehemalige österreichische Teil Schlesiens (siehe Karte), der den Habsburgern nach  den sog. „schlesischen Kriegen“ als kleiner Teil (ein Zehntel) des früheren Gesamt­schle­siens verblieben war. Wenn man die Frage einem 18-jährigen Gymnasiasten stellt, der zum ersten Male einen Bildband von Schlesien anschaut, bekommt man die verblüffende Antwort: "Da stehen ja deutsche Namen an den Geschäften. Das war ja mal deutsch!"  Nun, wenn der Betroffene in seinem Elternhaus keine unmittelbare Beziehung zum ehemaligen Schlesien hat, ist das nicht verwunderlich.  Wenn man aber in der Sudetendeutschen Zeitung ließt, dass Nieder­lindewiese in Nordmähren liegt und dass dort der sehr bekannte Musiker Jung gelebt hat, kommt man doch ins Grübeln. Bedenklich ist es jedoch, wenn ein gebürtiger Sudeten-Schlesier seine Heimat nicht kennt. Ein bekannter Schriftsteller, ein Jägerndorfer,  hat doch allen Ernstes in einem Interview erklärt, er sei ein Nordmährer.
 

Karte Schlesien um 1900

 

Seit dem Ende der Schlesischen Kriege, in denen zwischen den Habsburgern und Preußen so erbittert und verlustreich um dieses Schlesien gekämpft worden ist, sind keine zweihundert Jahre vergangen und dieses Schlesien ist auf der Landkarte nicht mehr existent und vielfach nur in den Köpfen der Erlebnisgeneration vorhanden.

Bei einem kurzen geschichtlichen Rückblick wird deutlich, dass durch die Kriege wenig erreicht wurde. Selbst Friedrich II urteilte darüber folgendermaßen:  „Schätzt man die Dinge nach ihrem wirklichen Wert ein, so ist zuzugeben, dass der Krieg ein sehr unnützes Blutvergießen war, und dass Preußen durch eine Kette von Siegen weiter nichts erreichte als die Bestätigung des Besitzes von Schlesien“
[1], das er in seiner brutalen Machtpolitik überfallen und dem kleinen Preußen - damals mit vier Millionen Einwohnern ein sehr kleiner Staat - einverleibt hatte. Die Einsicht kam für viele zu spät, die er durch Zwangsrekrutierung in die Armee „geprügelt“[2] und ohne Rücksicht auf Verluste in  die Schlachten getrieben hatte. Sein berühmter Ausspruch: „Hunde, wollt ihr ewig leben?“ galt offenbar nur für die, die als Kanonenfutter in die Schlacht ziehen mussten, während der „große Feldherr“  aus sicherer Entfernung  das „Schlachten“ lenkte, wo ihn angeblich nur einmal eine verirrte Kugel traf und die blieb noch in seiner Tabaksdose stecken. Wie brutal diese Ausein­andersetzungen geführt wurden, zeigt die Schlacht bei Kunersdorf, bei der allein 32.000 Tote zu beklagen waren. Hier passt das bekannte Zitat: „Ein Schlachten war’s, nicht eine Schlacht zu nennen“. Die traurige Bilanz der drei Schlesischen Kriege betrug insgesamt über 350.000 Tote, die meisten Deutsche, aber auch verbündete Russen und Franzosen, eine vor allem für die damalige Zeit immense Opferzahl, die nicht nur  aus heutiger Sicht völlig unsinnig war; ein sehr hoher Blutzoll für den vergänglichen Aufstieg Preußens zur europäischen Groß­macht, die auch den Beginn der hundertjährigen Spannung zwischen Österreich und Preußen begründete und schließlich auch in den Bruderkrieg von 1866 mündete.

[1]

Die Schlachten Friedrichs des Großen, Führung, Verlauf, Gefechtsszenen, Gliederungen, Karten
Günter Dorn, Joachim Engelmann, Bechtermünz Verlag, Erscheinungsjahr: kA

[2]

Bernt Engelmann, „Preußen: Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, Goldmann, ISBN 3-442-11300-8
"Daß die Soldaten der preußischen Armee nur zusammengeprügelte, höchst widerwillig dienende Zwangsrekrutierte waren und allein durch abschreckende Strafen in Zucht gehalten werden konnten, tat ihrem Renommée kaum Abbruch" (Bernt Engelmann).